Wo die Branche heute steht

Nach drei Jahren mit Liefer-Engpaessen, Halbleiter-Knappheit und Konjunktur-Wackeln zeichnet sich 2026 erstmals wieder Bewegung in der Schweizer Autobranche ab. Die Personenwagen-Neuzulassungen lagen 2025 bei rund 246'000 Einheiten, knapp 12 Prozent ueber dem Vorjahr [1]. Damit liegt der Markt zwar noch immer unter dem Vor-Corona-Niveau von 311'000 Fahrzeugen, aber die Trendlinie zeigt zum ersten Mal seit 2019 wieder nach oben.
Der Fahrzeugbestand wuchs gemaess BFS um 1.4 Prozent auf 4.78 Millionen Personenwagen [2]. Pro 1000 Einwohner sind das 537 Autos, ein Wert der seit 2010 erstaunlich stabil ist. Die Schweiz parkt also nicht mehr ab, sie parkt um.


Drei Achsen-Verschiebungen


1. Antriebsmix kippt schneller als erwartet
Reine Elektrofahrzeuge erreichten 2025 einen Marktanteil von 31.4 Prozent, Plug-in-Hybride zusaetzlich 10.2 Prozent [1]. Damit sind in der Schweiz inzwischen mehr neu zugelassene Autos teil- oder voll-elektrisch als reine Benziner. Diesel ist nahezu verschwunden mit 4.1 Prozent.
Der TCS-Mobilitaetsbarometer bestaetigt: 64 Prozent der Befragten koennen sich beim naechsten Autokauf einen Elektroantrieb vorstellen [3]. Vor fuenf Jahren waren das 28 Prozent.
Wir erleben eine Verlagerung, die in der Branche niemand mehr ignorieren kann. Wer heute keine HV-Servicekompetenz aufbaut, hat in fuenf Jahren keine Daseinsberechtigung mehr.

2. Werkstatt-Gewerbe konsolidiert
Die AGVS zaehlt aktuell 4'020 Mitgliedsbetriebe, 184 weniger als vor drei Jahren [4]. Konsolidiert wird in zwei Richtungen: nach oben (Filialketten und Marken-Werkstaetten kaufen unabhaengige Betriebe), und nach unten (Einzelbetriebe schliessen wegen Nachfolge-Problemen). Das mittlere Segment der unabhaengigen 5-bis-15-Mitarbeiter-Werkstatt steht unter Druck.

3. Aftermarket wird digitaler
Online-Bestellungen von Ersatzteilen wachsen je nach Sortiment zwischen 14 und 22 Prozent pro Jahr. Die Treiber: unabhaengige Werkstaetten die kuerzere Lieferzeiten brauchen, und DIY-Schrauber die TecDoc-basierte Shops dem Werkstatt-Termin vorziehen.

Was das fuer Konsumenten bedeutet
Drei Punkte werden 2026 sichtbar:


• Preisdruck im Aftermarket durch hoehere Online-Transparenz. Werkstatt-Margen auf Ersatzteilen sinken, Servicestunde wird teurer.
• Service-Engpaesse bei Marken-Werkstaetten wegen HV-Komplexitaet und fehlenden Fachkraeften.
• Polarisierung im Gebrauchtmarkt: junge Elektros mit Akku-Restwert-Risiko vs. junge Verbrenner mit unklarem Restwert.

Was die Branche tun sollte

Die AGVS empfiehlt drei Schwerpunkte fuer 2026 [4]:

1.Investition in HV-Zertifizierung (mindestens HV1 und HV2 fuer 80 Prozent der Mechaniker)
2.Digitales Auftragsmanagement und Online-Termin-Buchung
3.Spezialisierung auf einzelne Markenfamilien oder Antriebstypen
Wer das umsetzt, verdient 2026 mehr als 2025. Wer wartet, verliert.

Quellen

Bundesamt fuer Statistik (BFS): Mobilitaet und Verkehr 2024, 20.11.2024 (abgerufen 13.05.2026) www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/mobilitaet-verkehr.html
Primärquelle
AGVS Auto Gewerbe Verband Schweiz: AGVS Branchenreport Schweizer Auto-Gewerbe 2025, 30.01.2026 (abgerufen 13.05.2026) www.agvs-upsa.ch/de/medien/branchenreport
Primärquelle
auto-schweiz Vereinigung der Importeure: auto-schweiz Jahreszulassungs-Statistik 2025, 08.01.2026 (abgerufen 13.05.2026) www.auto.swiss/statistiken/personenwagen
Primärquelle
Touring Club Schweiz: TCS Mobilitaetsbarometer 2026, 12.03.2026 (abgerufen 13.05.2026) www.tcs.ch/de/der-tcs/medien/medienmitteilungen/mobilitaetsbarometer-2026.php
Behörde