Sommerumfrage 2026: Der Werkstatt fehlen die Haende, nicht die Auftraege

AGVS-Barometer und eine Community-Umfrage unter 412 Betrieben zeichnen dasselbe Bild: volle Auftragsbuecher, leere Bewerbungsordner. Die Zahlen zum Fachkraeftemangel im Sommer 2026 und was erfolgreiche Betriebe anders machen.


AutoMag Redaktion · 11. Juli 2026 · 1 Min Lesezeit

AGVS-Barometer und eine Community-Umfrage unter 412 Betrieben zeichnen dasselbe Bild: volle Auftragsbuecher, leere Bewerbungsordner. Die Zahlen zum Fachkraeftemangel im Sommer 2026 und was erfolgreiche Betriebe anders machen.

Zwei Datensaetze, ein Befund
D
er AGVS meldet in seinem Fachkraefte-Barometer fuer den Sommer 2026 rund 1'850 offene Stellen im Schweizer Autogewerbe, davon zwei Drittel fuer ausgebildete Mechatroniker und Diagnostiker [1]. Gleichzeitig blieben per Lehrbeginn August 2026 rund 12 Prozent der Lehrstellen unbesetzt, trotz leicht gestiegener Lohnempfehlungen.

Dasselbe Bild von unten: In der Community-Sommerumfrage des Werkstatt-Forums Schweiz unter 412 Betrieben [2] geben 68 Prozent an, in den letzten zwoelf Monaten mindestens eine Stelle nicht besetzt zu haben. 41 Prozent haben deswegen bereits Auftraege abgelehnt oder Wartezeiten von ueber zwei Wochen. Die Umfrage ist nicht repraesentativ, aber sie deckt sich auffallend genau mit den Verbandszahlen.

Wo es am meisten klemmt
D
ie gesuchten Profile haben sich verschoben. Ganz oben auf der Liste [1]:

1 Automobil-Mechatroniker mit HV-Zertifizierung: Mit ueber 34 Prozent BEV-Anteil bei den Neuzulassungen [3] wird Hochvolt-Kompetenz vom Nice-to-have zur Einstellungsbedingung.
2 Automobildiagnostiker: ADAS-Kalibrierung und Software-Themen stauen sich bei den wenigen Spezialisten.
3 Kundendienstberater: Die Schnittstelle Mensch bleibt unbesetzbar, wenn der Lohn mit der Industrie konkurrieren muss.

Was erfolgreiche Betriebe anders machen
A
us den Freitext-Antworten der Community-Umfrage [2] schaelen sich drei Muster:

• Selber ausbilden, konsequent uebernehmen. Betriebe mit eigener Lehrlingsausbildung melden halb so lange Vakanzen. Die Uebernahmequote nach der Lehre liegt bei den erfolgreichen Betrieben ueber 80 Prozent.
• Vier-Tage-Modelle und planbare Samstage. Ein Viertel der Betriebe experimentiert mit verdichteten Arbeitszeiten, die Rueckmeldungen zur Mitarbeiterbindung sind ueberwiegend positiv.
• Technik als Rekrutierungsargument. Wer in Diagnose-Ausruestung und HV-Arbeitsplaetze investiert, gewinnt eher junge Fachkraefte. Schrauber wollen am Stand der Technik arbeiten.

Einordnung
D
er Fachkraeftemangel ist 2026 der limitierende Faktor des Autogewerbes, nicht die Nachfrage. Fuer Kundinnen und Kunden heisst das: Servicetermine frueh buchen, gerade vor Ferienwellen. Fuer Betriebe heisst es: Ausbildung und Arbeitsbedingungen sind kein HR-Thema mehr, sondern Ueberlebensstrategie.

Quellen
1 Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS): AGVS Fachkraefte- und Lehrstellenbarometer Sommer 2026, 30.06.2026 (abgerufen 13.07.2026) www.agvs-upsa.ch/de/berufsbildung
Behörde
2 Werkstatt-Forum Schweiz (Community): Community-Sommerumfrage 2026: 412 Werkstatt-Betriebe, 06.07.2026 (abgerufen 13.07.2026) www.gutefrage-auto.ch
Presse
3 auto-schweiz, Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure: Neuzulassungen Personenwagen Januar bis Mai 2026, 03.06.2026 (abgerufen 13.07.2026) www.auto.swiss/statistiken/auto-zulassungen
Behörde